|
Mensch Maschine Automatenseelen - Seelenautomaten
15.05. – 26.08. 2012
|
|
Die Ausstellung "Mensch Maschine" präsentiert die Motive Arbeitsalltag, Industrie und Maschine auf scheinbar paradoxe Weise: Bei "Mensch Maschine" begegnen sich Automatenseelen und Seelenautomaten. Künstler verschiedener Generationen nutzen befremdliche Verkehrungen, um die alltägliche Symbiose von Mensch und Maschine plastisch vor Augen zu führen: Menschen sind in automatisierte Produktionsabläufe eingepasst, Maschinen wiederum erscheinen als Träger vitaler Energie und spiegeln die Historie der Gesellschaft.
Die Schau zeigt so, dass Maschinenwelten jenseits aller Zweckrationalität fortlaufend einen symbolischen Mehrwert produzieren - und dass sie mit dem Thema Phantasie eng verwandt sind.
Die Ausstellung wird ermöglicht durch eine Förderung der Merck KGaA

Beteiligt sind:
Bernd und Hilla Becher (geb. 1931, gest. 2007 / geb. 1934)
Chargesheimer (1924 – 1971)
Jochen Mura (geb. 1968)
Stefan Rohrer (geb. 1968)
Angelika J. Trojnarski (geb. 1979)
H.D. Tylle (geb. 1954)
Von Bernd und Hilla Becher ist in "Mensch Maschine" eine Serie fotografischer Porträts von Hochöfen zu sehen. Die Künstler inszenieren die industriellen Apparaturen wie Skulpturen und provozieren mit ihren seriellen Tableaus ein "vergleichendes Sehen" zwischen Maschinentypen. So verkünden sie den Anspruch der Kunst, Regeln der Ästhetik auch auf den zweckrational bestimmten Alltag anzuwenden.
Der legendäre Kölner Fotograf Chargesheimer dokumentiert in seinen Aufnahmen vom Ruhrgebiet die rasante Entwicklung der deutschen Industrielandschaft seit den 1950er Jahren. Er fokussiert dabei vor allem den Menschen, der in die industriellen Areale eingepasst wird. Dabei präsentiert Chargesheimer in der Fotografie Neudeutungen bekannter Typen der Porträt- und Landschaftsmalerei, um das neue Zeitalter der Zweckräume und Maschinen mit prägnanten "Standbildern" zu charakterisieren.
Jochen Mura bestückt die Wände der Kunsthalle mit simulierten industriellen Versorgungsschächten. So läßt er die Industrie symbolisch leerlaufen und unterstellt sie - ähnlich wie Bernd und Hilla Becher - ästhetischen Kriterien. Gleichzeitig demonstriert er mit seinen schematisierten Hausmodellen, wie Lebensräume zu industriell anmutenden "Wohnmaschinen" werden.
Stefan Rohrer läßt alltägliche Maschinen zu Trägern von Lebensenergie, Geschichte und Phantasie werden. Einen herkömmlichen Vespa-Motorroller verbiegt er zu einer ungebändigten Schlaufenform, die an die Lebenskraft von Pflanzen erinnert. Eine Montage aus einem West- und einem Ost-Moped wiederum wird zu einem Symbol für die wechselhafte Historie globaler Machtblöcke.
Angelika J. Trojnarski zeigt Maschinen in einem malerischen Schwebezustand. Flugzeug, Traktor oder Schiff erscheinen als halbdurchlässige Schemen. Damit werden die gewöhnlichen, stabilen Wahrnehmungsmuster von industriellem Alltag aufgehoben und neu überdacht. Die Maschinen enthüllen dabei einen bedrohlich durchscheinenden Hintersinn. Oberhalb eines harmlos wirkenden Boots erscheinen schemenhaft die Aufbauten eines Kriegsschiffs, und die malerisch hinfälligen Ruinen eines Jahrmarkts schließlich entpuppen sich als verlassener Luna-Park in der Nähe des tödlich verstrahlten Tschernobyl.
H.D. Tylle porträtiert wortwörtlich Ikonen des Wirtschaftslebens und setzt dem unspektakulär scheinenden Normalbetrieb der Industrie ein malerisches "Denkmal". Dabei sind die Arbeitswelten einerseits im besten Sinne des tradierten Realismus des 19. Jahrhunderts detailgenau aufgenommen. Andererseits verwandelt Tylle die Fabriken in ein Theater von Farb- und Lichtereignissen, überspielt impressionistisch klare Konturen und maschinelle Präzision. Bei aller Orientierung an der Welt der Zweckräume bleibt die Malerei damit ein eigendynamisches Medium, das nur seinen eigenen Produktionsregeln gehorcht.

Chargesheimer, Zur Frühschicht (Im Ruhrgebiet), publ. 1958, Fotografie
Jochen Mura, Versorgungsschacht 9, 2003, Karton, Acrylglas, 68 x 38,5 x 32,5 cm
Jochen Mura, Schwarzer Block-2, 2009, Karton, Acrylglas, Holz, Farbe, 53 x 12,5 x 17,5 cm
Stefan Rohrer, Arancio, 2011, Roller, Stahl, Lack, 200 x 171 x 290 cm

Stefan Rohrer, Roller Coaster, 2009, Motorräder, Stahl, Lack, 720 x 140 x 80 cm
Angelika J. Trojnarski, Fahl, 2011, Öl, Kreppband / Leinwand, 160 x 200 cm

Angelika J. Trojnarski, Skeleton Park X, 2008, Öl / Leinwand, 130 x 150 cm
H.D. Tylle, Aufgebockte A 380, 2011, Öl / Leinwand, 100 x 180 cm
H.D. Tylle, Reaktor für Flüssigkristallproduktion I, 2009, Öl / Leinwand, 110 x 220 cm, Detail

H.D. Tylle, Kraftwerk, 2010, Öl / Leinwand, 85 x 190 cm
Bildrechte:
Bernd und Hilla Becher: © Hilla Becher 2012
Chargesheimer: © Rheinisches Bildarchiv Köln
Jochen Mura: © Künstler
Stefan Rohrer: Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg, & Künstler
Angelika J. Trojnarski: Courtesy Galerie Tanja Wagner, Berlin
H.D. Tylle: © Künstler
|
|
|
